Bürgerinitiative "Lebenswertes Lottbek"

Home
Über uns

Kontakt
Impressum

rückwärts vorwärts








Wer ist BILL?

Wir sind eine naturschutzorientierte Ammersbeker Bürgerinitiative, die durch intensive Informations- und Aufklärungsarbeit bereits geplante Zersiedelung und Landschaftszerstörung in der Gemeinde verhindert hat und sich für den Erhalt der Natur- und Naherholungsflächen sowie für die Information und Mitbestimmung ihrer Bürger engagiert.




Unsere Geschichte
Die Initialzündung für unsere Aktivitäten war der Bauausschuss der Gemeinde im November 2007. Der Sitzungsraum war überfüllt, denn viele Bürger waren gekommen, um ihre Einwände vorzubringen. Der Ausschuss stimmte trotzdem für einen Aufstellungsbeschluss eines Bebauungsplanes, durch den 140.000m2 Wiesen und Knicks weichen sollten, um Platz für Einzel- und Doppelhäuser zu machen.

In den folgenden zwei Wochen wandten wir uns an die Presse, gründeten die Bürgerinitiative „Lebenswertes Lottbek“, BILL, schrieben einen offenen Brief an den Bürgermeister und die Gemeindevertreter, in dem wir die Unsinnigkeit der Bebauung anprangerten, sammelten 1.000 Unterschriften, stellten gezielt und massiv Fragen in der Gemeindevertretersitzung und legten dort, in dem bis zum Bersten mit unzufriedenen Bürgern gefüllten Saal, die Unterschriftensammlung vor. Aber es fruchtete nicht, der Aufstellungsbeschluss wurde auch hier verabschiedet, mit einer Stimme Mehrheit.

Daraufhin fingen wir an zu lesen, zu forschen, zu recherchieren. Wir fanden immer mehr objektive Gründe, die gegen den Beschluss sprachen, entdeckten Forscher, wissenschaftliche Publikationen und sogar Immobilienfachleute, die Kommunen vor großflächiger Bebauung warnten, sahen uns bestätigt durch Umweltverbände und die Bundesregierung, die alle zur Reduzierung der Zersiedelung in Deutschland aufriefen.

Wir untersuchten demografische Belange, finanzielle Konsequenzen, Auswirkungen auf Artenvielfalt, Biotopverbund, Klima, Wasser- haushalt und Landwirtschaft, verkehrs- planerische und infrastrukturelle Folgen und sahen uns immer mehr im Recht.

Wir schauten über den Tellerrand, entdeckten weitere, derzeit landwirtschaftlich genutzte Flächen im Außenbereich und unter Land- schaftsschutz stehend, für die kürzlich der Beschluss zur Änderung des Flächennut- zungsplanes gefallen war, um sie ebenfalls großflächig zu bebauen.

Wir hörten uns um und merkten, dass die Bürger nicht ausreichend informiert und nicht mit einbezogen worden waren. Nur die Mehrheit von einer Stimme, die durch einen Parteiwechsel einer Gemeinderätin von den Grünen zur FDP zustande gekommen war, hatte diese massive Baupolitik ermöglicht. Wir entdeckten, dass wir mit unserer Meinung nicht allein waren, die beiden Parteien, die in der Gemeindevertretung die Minderheit darstellten, wandten sich ebenfalls gegen großflächige Bebauung auf der grünen Wiese.

Wir erstellten eine Internetseite der Bürgerinitiative, mit Sachinformationen und Dokumentation unseres Vorgehens, wir entwarfen Broschüren und Flugblätter, verteilten diese auf Veranstaltungen, in Briefkästen, vor dem Bahnhof und an Autofahrer im Verkehrsstau.
Wir organisierten die Anfertigung und Aufstellung von Schildern und Plakaten, in den Gärten wuchsen Dutzende BILL- Schilder, die Passanten auf die Pläne aufmerksam machten, sie über das Ausmaß der Bauplanung informierten oder einfach nur Solidarität bekundeten.

Wir schrieben Pressemitteilungen, und Leserbriefe, hatten viel Zuspruch auf von uns veranstalteten öffentlichen Informa- tionsabenden, erarbeiteten weitere Themen in einzelnen Arbeitsgruppen. Und wir wuchsen.
Immer mehr Interessierte meldeten sich, die mit zu den "BILLern" gehören und informiert werden wollten. Wir bestanden aus einer 15-köpfigen Planungsgruppe und dem sogenannten "großen BILL-Kreis", der inzwischen auf über 200 Menschen angewachsen war.

BILL ist eine anarchisch strukturierte Gruppe ohne Vorstand und Satzung, in der alles basisdemokratisch diskutiert und entschieden wird. Unsere Kommunikationsplattform ist das Internet, die schnelle E-Mail. Wir wollten keine Zeit für Vereinsgründung verschwenden. Nur einen Finanzminister und eine Pressesprecherin wählten wir, letztere machte die Öffentlichkeitsarbeit und musste den Kopf hinhalten als Verantwortliche.

Wir sahen vor uns eine ganz konkrete Chance: die Kommunalwahl. Die meisten Ammersbeker Bürger wussten nichts von den Bauplänen und wenn, dann stellten sie sie nicht in Frage. Unser Ziel war also Aufklärung. Wir hatten die Hoffnung, den Bürgern die Augen zu öffnen, so dass SPD und Grüne, die ebenfalls gegen die Bebauung waren, die Wahl gewinnen würden. Deshalb führten wir Gespräche mit den beiden Parteien, um zu prüfen, wie vertrauenswürdig sie waren, inwieweit jeder einzelne hinter dem Ziel, in Ammersbek Natur, Landschaft und Lebensqualität zu erhalten, stand. Wir entschieden uns, nicht selbst eine Wählerinitiative zu gründen, damit wir die Chancen dieser beiden Parteien nicht schmälerten.

Wir errichten im Frühling eine Parkbank mit Stifterplakette von BILL am Rande des geplanten Baugebietes und weihten diese in einem gemütlichen Festakt bei Kaffee und Kuchen öffentlich ein. Sie sollte die einzige Bebauung bleiben und den Naherholungs- charakter des Gebietes betonen. Wir sammelten Spenden durch Verkäufe auf dem Flohmarkt und mieteten für drei Monate einen 5-Sekunden-Werbeplatz auf dem Infoscreen bei der Einfahrt der U-Bahn nach Hoisbüttel.

Wir erarbeiteten weiter Informationen, und je mehr wir gruben, desto mehr Schieflagen entdeckten wir. Der Bürgermeister hatte sich öffentlichkeitswirksam für die 200.000 Euro teure Umlegung der Moorbek/Lottbek eingesetzt, da es im Jahr der Hochwasser 2002 zwei Mal zu einer Überschwemmung der Straße gekommen war und Wasser von unten in die Keller der Anlieger stieg.

Wir studierten die Gutachten und stellten fest, dass die ökologischen Voruntersu- chungen für eine Hochwasserschutz-
maßnahme mit ökologischer Aufwertung mangelhaft waren und unter Zeitdruck falsche Daten erbracht hatten. Hier war geschlampt worden, um schnell Fakten zu schaffen. Wieder schrieben wir einen offenen Brief und weckten damit die Naturschutzämter und –verbände. Die Maßnahme wurde vorerst gestoppt, denn unsere Kritik wurde als berechtigt angesehen. Neue Untersuchungen müssen nun erst die ökologischen Auswirkungen und die möglichen Alternativen prüfen.

Wir klagten weiterhin öffentlich an, dass in der Verwaltung keiner aufgepasst und so das Fällen von 50 großen Eichen in einem Knick nicht verhindert hatte.

Wir stöberten in alten Ausschussvorlagen, in Gutachten zu Gemeindeentwicklung oder Sportflächenbedarf und entdeckten eine längerfristige Planung zur Bebauung auf Kosten des einzigen Sportplatzes in einem der fünf Ortsteile Ammersbeks.

Wir luden zu einer öffentlichen Fahrradtour zu den ökologischen Brennpunkten der Gemeinde ein und bauten im Wahlkampf Infostände auf, um mit Bürgern
ins Gespräch zu kommen. Wir präsentierten uns dem Hoisbüttler Reit- und Fahrverein, dessen Pferde durch verlorene Weideflächen und dessen Reiter durch zunehmenden Verkehr betroffen waren. Wir errichteten Riesenschilder, darunter ein Countdownschild für die Wahl und stellten Pferdeanhänger als mobile Werbe-
und Infoflächen auf. Wir wollten die Bürger nicht nur informieren sondern auch animieren, überhaupt zur
Wahl zu gehen.

Wir luden zu einer großen Kandidatenveranstaltung , die FDP wollte nicht kommen, die CDU sagte kurzfristig ab, nur SPD, Grüne und eine kleine, neu gegründete Wählergemeinschaft kamen, um sich unseren Fragen zu stellen.

Wir fertigten eine satirische Zeitung, die "BILL-Zeitung" in der Aufmachung der Bild- Zeitung und nahmen darin CDU, FDP und den Bürgermeister aufs Korn. Wir spießten die politischen Schaukeleien und die unsinnigen Pläne auf.

Und wir erreichten unser Ziel: Nach der Gemeindewahl Ende Mai 2008 stellten SPD und Grüne zusammen die absolute Mehrheit. Ein Großteil der Bürger war unseren Empfehlungen gefolgt und Ammersbek hatte gezeigt, dass es sich nicht verkohlen lässt. Die bauwütigen Parteien wurden abgeschlagen. Drei Wochen nach der Wahl nahm die neu zusammengesetzte Gemeindevertretung auf ihrer ersten Sitzung den Aufstellungsbeschluss zurück.


Unsere weitere Arbeit und die Zukunft
Unser Hauptziel war erreicht, wir aber wollten weiter machen, die neuen Mehrheiten konstruktiv unterstützen. SPD und Grüne baten einige von uns, als Fachleute für ihre Fraktionen in die Ausschüsse zu gehen, so dass jetzt sogar ein BILL-Vertreter in den meisten Ausschüssen sitzt.

Wir arbeiteten uns in den Entwurf des Landesentwicklungsplanes ein und stellten fest, dass die Mehrheit unserer Argumente gegen die Bebauungspläne hier wiederzufinden war. Wir erarbeiteten dazu in einer Mini-Arbeitsgruppe eine Liste von 20 Stellungnahmen und reichten diese im Onlineverfahren beim Land ein.

Da unser Anliegen in erster Hinsicht ein naturschützerisches war, gründeten wir im Juli 2008 aus einer unserer Arbeitsgruppen eine NABU-Gruppe, die sich auch langfristiger und fachspezifischer um die Probleme von Umwelt und Natur in Ammersbek kümmern will. Die NABU-Gruppe hat sich schnell emanzipiert, viele Interessierte aus dem großen BILL-Kreis als aktive Mitglieder aufgenommen und kümmert sich derzeit um Knickschutz, die Betreuung des Naturschutzgebietes, das durch die Bebauung bedroht gewesen wäre und um das ökologisch korrekte Verfahren zur Umgestaltung der Lottbek. In der Gruppe sind ausreichend Fachleute, so dass sie als TÖB (Träger öffentlicher Belange) Stellungnahmen zu Gemeindeplanungen schreiben kann, die Eingriffe in die Natur bedeuten.

Im September 2008 luden wir die Bürgermeister- kandidaten, die sich bei unserer BI meldeten um sich vorzustellen, zu Interviews und unterstützen denjenigen, der uns für unsere Ziele am geeignetsten erschien. Zur Wahl gaben wir die zweite "BILL-Zeitung" heraus, diesmal weniger satirisch. Ende November 2008 wurde der von uns unterstützte SPD-Kandidat mit absoluter Mehrheit zum Bürgermeister gewählt.

Wir schufen mit Vertretern der Fraktionen der SPD und der Grünen eine Arbeitsgruppe, die einen Antrag und eine Begründung zur Flächennutzungsplanänderung erarbeitete, um die Grünflächen auch längerfristig vor großräumiger Bebauung zu schützen. Dieses Ziel wurde endgültig im Mai 2011 erreicht. Das Innenministerium in Kiel genehmigte diese 7. Änderung des Flächennutzungsplanes.

In einer weiteren interfraktionellen Arbeitsgruppe überarbeiteten wir die Verwaltungsvereinbarung zur Lottbekumgestaltung, damit auch die neuen Forderungen der Naturschutzämter und –verbände ausreichend Berücksichtigung finden.

Unsere zukünftige Arbeit sehen wir darin, Verwaltung und Politik kritisch zu begleiten und unser erworbenes Wissen kreativ für die Gemeinde einzusetzen.

Vor der Gemeindewahl haben wir vor allem gegen Pläne der Gemeinde gearbeitet, um Lebensqualität zu erhalten. In der nahen Zukunft, in der die Politiker mehrheitlich auf unserer Seite sind und uns zuhören, wollen wir vor allem für Pläne arbeiten und Ideen erarbeiten, um Lebensqualität zu schaffen. Ein Schritt war bereits die Stellungnahmen zur Landesentwicklungsplanung, ein weiterer wird eine strukturierte Vorarbeit zu einer Gemeindeentwicklungsplanung sein, eine Art qualifizierte Zukunftswerkstatt.

Wir wollen weiterhin die Bürger informieren über Wichtiges, was in Politik und Verwaltung läuft. Dabei richten wir auch unseren Blick auf die Nachbargemeinden und den Kreis, um rechtzeitig handeln zu können, wenn Planungen von dort Ammersbek negativ betreffen könnten. Das taten wir u.a. mit unserer 3. Ausgabe (2010) und der 4. Ausgabe (2013) der BILL-Zeitung.

Außerdem wollen wir uns weiter umhören, welche Probleme es in Ammersbek gibt, zu deren Lösung wir beitragen können. Dabei wollen wir nicht in Konkurrenz stehen zu anderen Ammersbeker Vereinen oder Initiativen, sondern mit diesen, wo es geht, zusammenarbeiten oder sie unterstützen. Und wir wollen durch kleine Maßnahmen und Aktionen die Lebensqualität und den Naturerhalt schon im Kleinen fördern. Dazu gehört z.B. Bäume zu pflanzen, Knicks zu betreuen, und vor allem die NABU-Gruppe in ihrer Arbeit für die Natur in Ammersbek zu unterstützen.

Copyright © 2007-2019 BILL