Bürgerinitiative "Lebenswertes Lottbek"

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Wortlaut des offenen Briefes an die Ammersbeker Gemeindevertreter und den Bürgermeister


Ammersbek, den 6.12.2007


Offener Brief an den Bürgermeister von Ammersbek, Axel Bärendorf, und an die Mitglieder der Gemeindevertretung,
 
Horst Ansén, Peter Bremer, Jutta Buhr, André Dassau, Jürgen Ehrig, Jürgen Hold, Jürgen Jaap, Peter Jensen, Jürgen Kinza, Gunter Last, Christiane Maas, Ingeborg Reckling, Corinna Schrader, Gabriela Späte, Dinant Steenhagen, Rita Thönnes, Jens Timmermann, Peter Weiß, Horst Wiedmann

Wir Bürger aus dem Ortsteil Lottbek wenden uns gegen die Ausweisung eines großen Baugebietes in unserer Wohnumgebung, B-Plan Nr. 14 „Wolkenbarg“.

Wir wehren uns dagegen, dass der derzeit noch ländliche Teil Lottbeks, der bislang durch gewachsene Bebauung seinen Charakter und seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Gemeinden erhalten hat, zu einem gesichtslosen Neubaugebiet degeneriert.
Unsere wesentlichen Einwände sind folgende:

1.      Übereilte Beschlussfassung
Der Beschluss wird ohne Not in zu großer Hast vorangetrieben. Für eine ausgewogene Entscheidung fehlen objektiv nachvollziehbare, planerische Vorarbei­ten wie Bedarfs­erhebungen, Verkehrsplanungen, Kosten-Nutzen-Analyse etc.

2.      Fehlende Bürgerbeteiligung
Die Wünsche und Belange der Lottbeker Bürger wurden in keiner Weise im Vorwege berücksichtigt. Die Möglichkeit der Einflussnahme für jene, die nicht im Plangebiet wohnen und daher nur indirekt betroffen sind, wird massiv beschnitten. Ein Bauplan-
Aufstellungsverfahren bietet ihnen keine Beteiligungsmöglichkeit mehr. Wir fordern des­halb, am 11.12.  keinen Beschluss zu fassen, sondern eine Einwohnerversammlung für Lottbek einzuberufen, in der die Gemeindevertreter alle Vorgaben für den Planer beschreiben und erläutern und mit den Menschen diskutieren.

3.      Steigerung des Verkehrsaufkommens ohne Lösungsansätze
Der Berufs- und Einkaufsverkehr in Ammersbek1) ist, nicht zuletzt durch die Ansied­lungspolitik, zahlenmäßig erheblich gestiegen, der Ortsteil Lottbek ist hiervon besonders betroffen. Zu Stoß­zeiten bilden sich regelmäßig Staus auf der Hauptstraße und Rückstaus in den Anlie­gerstraßen, die zudem als Umgehungsstraßen vom Norden genutzt werden. Durch die Inflation der Ampelanlagen wurde dieses Problem weiter ver­schärft und die Belastung in Teilen Lottbeks durch Luftschadstoffe und Lärm auf städtisches Niveau getrieben.

4.      Umweltbelastungen und erhebliche Landschaftszerstörung
Bebauungsflächen dieses Ausmaßes führen zu erheblichen Umweltbeeinträchtigungen wie Bodenversiegelung durch Bauflächen oder Luftbelastung durch Heizungen, Kamine und Verkehr. Hinzu kommt die Vernichtung von Wie­senflächen, geschützten Knicks und alten Baumbeständen, die eine immer wichtigere Senke für Treibhausgase sind und eine breite Wildtierpopulation beherbergen.

5.      Verminderung der Lebensqualität
Von allen Ortsteilen hat Lottbek bereits den geringsten Grünflächenanteil. Der letzte Rest des ländlichen Charakters, der einen großen Teil seiner Qualität und damit seines Anrei­zes für zuzugwillige Familien ausmacht, muss erhalten bleiben. Er ist außer­dem notwen­diges Naherholungsgebiet für den Bereich Lottbeks mit dichter, städtischer Bebauung.

6.      Quantität anstelle von Qualität
Die demografische Entwicklung ist bekanntermaßen rückläufig2). Auch andere Hambur­ger Randgemeinden versuchen durch Neubebauung, junge Familien zu locken. Ein Kon­kurrenzkampf um Zuzugwillige kann daher nicht mit Quantität son­dern nur mit Qualität gewonnen werden.

7.      Gemeindeentwicklung zu Lasten ihrer Bürger
Landesplanerische Vorgaben wie das Achsenkonzept implizieren keinen Umsetzungs­zwang für Ammersbek. Die Planungshoheit liegt ausschließlich bei der Gemeinde, und deren Entwicklung darf nicht auf Druck von Investoren oder zu Lasten der Lottbeker Bürger erfolgen.

8.      Finanzielle Mehrbelastungen
Die seit Jahren angespannten Finanzen der Gemeinde würden durch Planung und Er­schließung in dem erwogenen Ausmaß so stark belastet, dass dies zu Mittelstreichun­gen und Einsparungen an anderen Stellen führen würde3).

9.      Inadäquate Infrastruktur
Der Druck auf die Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Freizeitangebote etc.) durch den raschen Anstieg der Bevölkerungszahl innerhalb der letzten 15 Jahre ist bis heute noch nicht ausreichend aufgefangen 4). Der Zeitpunkt, bereits den nächsten Be­völkerungs­zuwachs ins Auge zu fassen, ist daher falsch gewählt.

10.  Nichtbeachtung des Wählerwillens
Als Wähler in Ammersbek sehen wir bei Abstimmungen im Gemeinderat derzeit unsere Interessen nicht im Sinne der letzten Gemeindewahl gewahrt. Der Parteiwech­sel einer Gemeindevertreterin von den Grünen zur FDP führte zu neuen Stimmenver­hältnissen im Gemeinderat und in den Ausschüssen. Mit fünf Prozent aller Wähler­stimmen (von 15 % für die Grünen)  verfährt diese Vertreterin nach eigenem Gutdün­ken, aber ohne Legiti­mation des Wählers. Wir fordern deshalb ein Verschieben der Entscheidung zum Bebau­ungsplan Nr. 14 auf die Zeit nach der nächsten Wahl.

 
BILL, Bürgerinitiative „Lebenswertes Lottbek“5)

Karin Berg, Stephan Berg, Wolf Brake, Edelgard Brake, Maike Fechner, Michael Fechner, Corinna Gerstenkorn, Doris Goldau, Gerhard W. Goldau, Marjan Grossmann, Michael Grossmann, Jürgen Hensler, Beate Hermansyah, Herry Hermansyah, Rolf Jankwitz, Per Köpcke, Petra Köpcke, Ingeborg Kremser, Dr. Petra Ludwig-Sidow, Michael Nehlsen, Nicole Nehlsen, Clemens Pampel, Alexandra Pampel, Gisela Pampel, Rudolf Pampel, Manfred Raeder, Gunter Rost, Karin Rost, Hans-Joachim Sagebiel, Martina Sagebiel, Henning Schlaphoff, Margit Schlaphoff, Jürgen Scho, Henning Sidow, Dr. Hendrick van der Schalk, Dr. Ines van der Schalk, Christine Traulsen, Karl-Heinz Traulsen, Siegrid Voigt, Hanno Voigt

 

Fußnoten

1) Die ehemalige Bundessstraße 434 befuhren bereits im Jahr 2005 lt. Aussage des Bürgermeisters 20 000 Fahrzeuge pro Tag. Der OT Lottbek ist durch die zahlreichen Nebenstraßen, die Gewerbegebiete und die Bushalte­stellen besonders stark davon betroffen, zumal durch häufiges Stehen und Anfahren die Schadstoff- und Lärmbelastung höher ist als durch fließenden Verkehr.

2) Die Bevölkerungszunahme im Kreis Stormarn beträgt derzeit im Schnitt  0,4% jährlich; bis 2015 rech­net das Statistische Landesamt mit einer Abnahme gegenüber 2005 um insgesamt 1,5%.

3) Als Beispiel zu nennen wäre hier der Umbau der Küche des Kindergartens Bünningstedt.

4)  In der Fortschreibung der Kindertagesstättenbedarfsplanung des Kreises Stormarn von 2002 nimmt Ammersbek zu der aus dem Jahre 2000 stammenden Bedarfsplanung wie folgt Stellung: „Die Entwicklung in der Gemeinde Ammersbek verlief jedoch derart schnell, dass diese Ausfertigung bereits heute nicht mehr aktuell ist.“

5.) Kontakt: Sidow, Nien Diek 3b, 22949 Ammersbek; E-Mail: lebenswertes_lottbek@online.de


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